Mathilde Jacob: Eine mutige Frau

Veröffentlicht am 10.03.2017 in Geschichte

Mathilde Mathel Jacob © GDW/H. Knobloch

Berlin Tiergarten zu Beginn des 20. Jahrhunderts: Mietskasernen, reges Treiben auf den Straßen, Kinder, viele Kinder. Das Leben in Berlin dieser Tage ist nicht leicht. Viele, gerade in Mitte, müssen hart arbeiten, um über die Runden zu kommen. So auch die 41jährige Mathilde Jacob, wohnhaft in der Altonaer Straße 11.

Als selbständige Stenotypistin lernt die stille Frau 1914 die kleine, agile und damals schon bekannte Rosa Luxemburg kennen. Für sie und Franz Mehring schreibt und übersetzt sie unermüdlich. Aus der Bekanntschaft wird eine hingebungsvolle Freundschaft. Das Schicksal Luxemburgs kennen viele, das der Mathilde Jacob nur wenige.

Dabei ist es ihr zu verdanken, dass von Luxemburg auch ihre scharfe Kritik an der bolschewistischen Partei und jede Form der Diktatur bekannt ist. Jacob hielt diese Schrift zurück und trug so dazu bei, dass sie nicht in kommunistischen Parteiarchiven verschwand oder gar vernichtet worden ist.

Zurück ins Jahr 1915. Nach Luxemburgs Haftantritt versorgte Mathilde Jacob die Umtriebige mit Büchern. Sie schmuggelte Nachrichten und wurde Teil der Spartakus-Gruppe um Rosa Luxemburg, Karl Liebknecht, Franz Mehring, Paul Levi und Clara Zetkin, die immer gegen den Krieg war.

Der brutale Mord an ihrer Freundin traf Jacob tief. Doch anstatt sich zurückzuziehen, gab sie mit Levi die Zeitung „Unser Weg“ heraus. Erst nach seinem Tod wurde es still um sie.

1939 wurde die 66 Jahre alte Jüdin von Nationalsozialisten in das Jüdische Altersheim in der Großen Hamburger Straße gebracht und von dort nach Theresienstadt deportiert. Sie ertrug den Hunger, die Krankheiten und Enge bis zum 14. April 1943. Dann starb die mutige, stille Berlinerin – einen Monat vor ihrem 70. Geburtstag.

Mögen auch nicht viele von ihrem Schicksal wissen, im Osten wie Westen wird an sie erinnert: mit einer Stehle am Franz-Mehring-Platz sowie mit einer Gedenktafel und der Benennung des Moabiter Rathausplatzes nach ihrem Namen. Damals war es die SPD-Fraktion in der BVV, die Mathilde Jacob vorschlug. „Die Benennung des Platzes nach dieser Frau“, so die Sozialdemokraten, „ist für uns eine Ehre und Verpflichtung zugleich.“

Josephine Steffen

 

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